der Begriff "Seepfadfinden" weckt vielleicht bei einigen Lesenden
falsche Assoziationen, ich bitte daher um hinzugedachte Anführungszeichen
bis zur Definition des Begriffs in unserer Diskussionsrunde.
PfadfinderInnenarbeit in Deutschland hat, unter anderem historisch bedingt,
nicht zu einer "Sparte Seepfadfinden" geführt wie in anderen
Ländern. Eine Kopie oder Transformation dortiger Arbeit für deutsche
Verhältnisse halte ich auch für ungeeignet, um Seepfadfinden Bestandteil
der VCP-Arbeit werden zu lassen. Interesse an einigen Elementen seepfadfinderischer
Arbeit gibt es aber bei Einzelnen wie auch bei Gruppen. Das kann der Bau
eines eigenen Kanus oder Faltbootes sein, der Segeltörn mit der Sippe
oder dem Stamm, aber auch ein Kanuhajk etc.
Zur Diskussion notwendig erscheint mir als erstes, den Begriff "Seepfadfinden"
zu klären: Was bedeutet er allgemein (in Abgrenzung zu "Pfadfinden"),
was soll er für unsere Diskussion bedeuten? Ohne eine begriffliche
Klärung laufen wir Gefahr, auf Unverständnis oder gar Ablehnung
zu stossen. Als nächster Schritt scheint mir eine Bestandsaufnahme
sinnvoll zu sein: Wo gibt es Einzelne und Gruppen, die Interesse am Ganzen
oder Teilen davon haben? Wo gibt es Orte, an denen eine solche Arbeitsform
sinnvoll erscheint? Welche Gruppen haben ein Interesse an solchen Aktivitäten?
Und schließlich: Welche materiellen, personellen und auch verbandspolitischen
Voraussetzungen müssen für ein Projekt dieser Art erfüllt
sein?
Ein wichtiger Akzent unserer Jugendarbeit ist der Erlebnischarakter, auch
die "moderne" Erlebnispädagogik hat dies ja erkannt und tritt
auf diesem Feld teilweise in (kommerzielle) Konkurrenz zu uns. Ein mögliches
Projekt "Seepfadfinden" kann daher ein Angebot sein, mit dem wir
als Verband durchaus "punkten" könnten.
Auf der Hauptseite des Diskussionsforums habe ich bereits die Basis meiner Überlegungen aufgeführt. Ich möchte diese hier näher erläutern:
Küstenlinie
Seit der Wiedervereinigung besitzt Deutschland eine Küstenlinie von
etwa 2.400 km. Nimmt man noch passende Binnengewässer hinzu, kommt
man auf derzeit etwa 50 Stämme bzw. Gruppen, die an einem Projekt "Seepfadfinden"
geographisch unmittelbar teilhaben könnten (Niedersachsen 4, Hamburg
19, Schleswig-Holstein 11, Mecklenburg-Vorpommern 9, Berlin-Brandenburg
ca. 5; aus den anderen Ländern liegen mir keine Daten vor). Ich unterstelle
den betreffenden VCP-Ländern (ebenso der Bundesebene) ein gewisses
Interesse am Neuaufbau von Gruppen und Stämmen bzw. der Gewinnung neuer
Mitglieder auch an bisher VCP-neutralen Orten. Entlang der Küste, aber
auch im Bereich passender Binnengewässer, kann ein Konzept/Projekt
"Seepfadfinden" hierfür positiv wirken.
In den Nachbarländern Polen, Dänemark und den Niederlanden gibt es eine Seepfadfinder-Tradition. Begegnungen mit Gruppen aus diesen Ländern können neue Impulse gerade für die küstennahen VCP-Gruppen bringen.
Großzerlang und Aufbau Ost
Derzeit wird das pädagogische Konzept für Großzerlang erarbeitet,
aufgrund der Lage des Platzes bietet sich als ein Schwerpunkt "Wasseraktivitäten"
an. Auch unsere Bemühungen, VCP-Arbeit in den östlichen Bundesländern
attraktiv zu machen, könnten einigen Auftrieb durch ein Konzept/Projekt
"Seepfadfinden" erhalten, da hier wesentlich mehr Möglichkeiten
für Wassersportaktivitäten existieren als im Westen. Ein erlebnispädagogischer
Ansatz im Bereich "Seepfadfinden" sollte m.E. aber nicht ausschließlich
sein - im wahrsten Sinne des Wortes sollten wir nicht den Boden unter den
Füßen verlieren!
Kuttersegeln
Ich halte den (Jugendwander-)Kutter für ein ideales Gefährt für
kleine Gruppen, schließlich passen etwa 10 Personen inklusive Gepäck
hinein. Und gerade für Pfadfindersippen ist er bestens geeignet - eine
Kombination Segelwandern bzw. Pullen und Zelten ist hier fast automatisch
gegeben. Für Binnengewässer wie den Bereich um Großzerlang
ist der Kutter fast schon maßgeschneidert.
Neue Programmideen
Wer braucht die nicht? ;-) Ein fundiertes Konzept "Seepfadfinden"
liefert sicherlich einiges an neuen Ideen, vor allem, wenn es nicht nur
um Wassersportaktivitäten geht, sondern einen tiefergehenden Ansatz
bietet. Ich denke da z.B. an den Umweltschutz, die gerechte Trinkwasserverteilung
etc. Wasser lediglich als Trageobjekt der Boote in verschiedenen Aktivitäten
ist mir deutlich zu wenig!
Auch gesellschaftliche Fragen spielen hier rein, aber die haben wir in der
regulären Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ja täglich zu beantworten.
Interessant wird dieser Aspekt dann, wenn aufgrund der spezifischen Bedingungen
seepfadfinderischer Arbeit bestimmte soziale Prozesse intensiver durchlebt/erfahren
werden.
Weiter oben habe ich bereits skizziert, welche Vorstellungen ich für
das weitere Vorgehen habe. Als zeitlichen Rahmen für eine erste Phase
(Begriffsklärung, Bestandsaufnahme) schweben mir die kommenden 4 -
5 Monate vor, anschließend könnte ein Treffen stattfinden, um
gemeinsam "auf den Busch zu klopfen" und mal zu schauen, was dabei
heraus springt ... Zur Orientierung stelle ich hier ausschnittsweise die
Definition des Begriffes Projekt vor, wie sie am 1.9.2006 auf Wikipedia
nachzulesen war:
"Weitergefasste Definition:
Eine Aufgabenstellung kann und sollte in der Regel als Projekt betrachtet werden, sofern das zu lösende Problem relativ komplex ist, der Lösungsweg zunächst unbekannt ist, eine zeitliche Begrenzung und ein definiertes Ziel vorliegt, und/oder bereichs-/fachübergreifende Zusammenarbeit erforderlich ist.
Die Komplexität des Problems liegt beispielsweise darin, dass
- es eine Vielzahl von Lösungswegen gibt, deren Erfolg zu Projektbeginn
unbekannt ist
- das Ziel bei genauer Analyse widersprüchliche Teilziele enthält
(Zielkonflikte)
- die involvierten und zusammen arbeitenden Organisationen oder Instanzen
verschiedenen Sachlogiken gehorchen
- die einzelnen Maßnahmen zur Zielerreichung vielfältig ineinander
greifen.
Meistens spielen alle diese Faktoren zusammen.
Organisationen, die regelmäßig ähnliche Projekte durchführen, sollten bestrebt sein, diese zu Produkten weiterzuentwickeln. Dies wird selten uneingeschränkt möglich sein. Jedoch ist eine Standardisierung des Vorgehens, die den Lerneffekt aus vorangegangenen Projekten wieder in neue Projekte einfließen lässt, ein Vorteil gegenüber einer ständigen "Neuerfindung des Rades". Diese Standardisierung äußert sich in der Regel in definierten Prozessen, in denen neue Projekte angegangen werden, sowie in vorhandenen Schablonen für Dokumentationen etc., die zwar ggf. projektspezifisch angepasst werden, jedoch bereits die Punkte enthalten, die aus Erfahrung nicht vergessen werden sollten.
Ebenfalls nicht konform im Sinne der zeitlichen Begrenztheit, jedoch im Sinne der thematisch/organisatorischen Abgrenzung vom "Normalfall", also mit der Bedeutung, dass es "etwas Besonderes" sei, wird die Bezeichnung Projekt auch verwendet, um
- alternative Lebensweisen, karitative Einrichtungen oder gemeinnützige
Organisationen etc. zu beschreiben. Z. B.: "Wohnprojekt" oder "Arbeitslosenprojekt".
Die in diesen Bereichen häufig vorzufindende sog. Projektfinanzierung
der öffentlichen Hand für begrenzte, allerdings immer wieder neu
zu beantragende Vorhaben hat diese Namenskonvention wohl begünstigt
(z. B. für sog. ständige Projekte sozialer Einrichtungen).
- einen noch nicht abgeschlossenen Prozess der Entwicklung zu benennen.
- ..."
Gut Pfad,
Albas
Zum Nachlesen:
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